Dieser Sommer klingt nach 90s-Reggae!
Aus Roots, Dancehall, Pop und R&B wurde in den 90ern ein Sound, der nach Kingston, London, Sommerferien und Weltcharts klang – und bis heute sofort funktioniert.
Aus Roots, Dancehall, Pop und R&B wurde in den 90ern ein Sound, der nach Kingston, London, Sommerferien und Weltcharts klang – und bis heute sofort funktioniert.
90s90s macht Euch ready für den Sommer 2026. Mit 90s90s Reggae. Von "Baby I Love Your Way" von Big Mountain, über "Kingston Town" von UB40 bis "Oh Carolina" von Shaggy.
Um zu verstehen, warum Shaggy, Diana King, Inner Circle, Big Mountain, Shabba Ranks und UB40 in den 90ern so selbstverständlich im Radio liefen, muss man früher anfangen. Nicht erst bei bunten Musikvideos, Sommer-Compilations und Soundtracks, sondern in den 70ern, als Reggae von Jamaika aus zur Weltmusik wurde.
Bob Marley, Peter Tosh, Jimmy Cliff und Burning Spear machten den Sound international sichtbar und gaben ihm ein Gewicht, das weit über schöne Grooves hinausging. Denn in den 70ern war Reggae nicht einfach nur Musik mit entspanntem Takt. Bob Marley stand für eine Mischung aus Spiritualität, Widerstand, sozialer Beobachtung und internationaler Pop-Anschlussfähigkeit. Bob Marley schaffte als Musiker ein vollkommen neue Aufmerksamkeit für das Genre, indem er Ska, Rocksteady und Reggae in den 70ern zu einem rockbeeinflussten Hybrid verdichtete und dadurch zum internationalen Superstar wurde. Aber Bob Marley war eng mit der Rastafari-Bewegung verbunden, deren konservative religiöse Vorstellungen auch ablehnende Haltungen gegenüber Homosexualität einschließen konnten.
Jimmy Cliff spielte ebenfalls eine große Rolle, weil Jimmy Cliff mit dem Film „The Harder They Come“ Anfang der 70er Reggae auch außerhalb Jamaikas bekannter machte. Der Sound bekam Bilder, Figuren, Konflikte und eine Bühne. Reggae war nicht mehr nur eine Musik aus Kingston, sondern eine Erzählung, die auch in London, New York, Berlin oder Birmingham verstanden wurde. Und ja, natürlich wurde dabei vieles vereinfacht, vermarktet und in Pop-Formate übersetzt.
Nach dem internationalen Durchbruch der 70er kam für Reggae in den 80ern kein einfacher Geradeauslauf. Bob Marley starb 1981, Jamaika steckte in politischen und wirtschaftlichen Krisen, und die Insel wurde 1988 von Hurrikan Gilbert schwer getroffen. Für die Musikszene bedeuteten solche Jahre nicht automatisch Stillstand, aber sie veränderten die Bedingungen massiv.
Gleichzeitig passierte musikalisch etwas Entscheidendes: Reggae wurde digital. Wayne Smith veröffentlichte 1985 „Under Mi Sleng Teng“, produziert von Lloyd James, besser bekannt als King Jammy. Der Song wurde zu einem Schlüsselmoment, weil der sogenannte Sleng-Teng-Riddim eine neue Ära einleitete. Plötzlich mussten Riddims nicht mehr zwingend aus einer kompletten Bandaufnahme entstehen. Drumcomputer, Synths und digitale Patterns rückten nach vorn. Der Maschinenraum des Reggae bekam neue Geräte – und die machten ordentlich Betrieb.
Während Jamaika mit Krisen kämpfte und Dancehall digitaler wurde, reiste Reggae weiter. UB40 waren dabei ein entscheidender Name, weil UB40 aus Birmingham den Reggae nicht erfanden, aber ihn für ein britisches und später weltweites Pop-Publikum neu rahmten. Schon in den 80ern hatte UB40 mit „Red Red Wine“ einen Sound etabliert, der Reggae-Rhythmik mit Pop-Melodie und Radiofreundlichkeit verband. Das war nicht Roots im klassischen Sinn, aber es war ein Türöffner. London und Birmingham wurden in den 80ern wichtige Außenposten für Reggae, weil dort karibische Communitys, Punk, Pop, Clubkultur und politische Spannungen aufeinandertrafen.
Als die 90er begannen, war der Boden vorbereitet. Shabba Ranks, Shaggy, Diana King, Inner Circle, Chaka Demus, Pliers, Dawn Penn, Sanchez, Big Mountain und UB40 profitierten von einer Poplandschaft, die ohnehin im Mischmodus lief. HipHop, R&B, New Jack Swing, Eurodance, House, Pop-Rock und Reggae standen nicht mehr sauber nebeneinander. Sie liefen ineinander. Für Puristen war das manchmal eine Zumutung. Für Radios war es ein Geschenk.
Shabba Ranks brachte mit „Mr. Loverman“ Dancehall-Attitüde in die Pop-Wahrnehmung. Der Song war eingängig genug, um weit über Dancehall-Kreise hinaus zu funktionieren. Shabba Ranks war damit ein Protagonist einer neuen Phase: Dancehall musste sich nicht mehr verstecken.
Shaggy machte den nächsten Schritt Richtung Pop. Mit „Oh Carolina“ holte Shaggy Anfang der 90er ein älteres jamaikanisches Stück in eine neue Dancehall-Pop-Gegenwart. Später wurde Shaggy ohnehin zu einer der bekanntesten Stimmen dieses Crossover-Reggae. Das Entscheidende: Bei Shaggy klang Reggae nicht mehr wie Importware, sondern wie etwas, das im globalen Popregal ganz vorne stehen konnte. Neben Pop, neben R&B, neben Dancefloor, aber mit eigenem Grinsen.
Das Sommerhafte an 90s-Reggae ist kein Zufall, es ist der Sound der Insel in der Karibik. Big Mountain verwandelten „Baby, I Love Your Way“ von Peter Frampton in eine Reggae-Pop-Hymne, die 1994 in vielen Ländern zum Hit wurde. Big Mountain kamen nicht aus Jamaika, sondern aus den USA, und genau das zeigt, wie weit der Sound inzwischen gewandert war. Reggae war in den 90ern nicht mehr nur Herkunft, sondern Stilmittel, Gefühl und Pop-Sprache. Diana King verband bei „Shy Guy“ Reggae, Dancehall, R&B und Soundtrack-Pop. Diana King landete damit mitten in einer Zeit, in der Filme, Musikfernsehen und Radio zusammen Hits groß machten. „Shy Guy“ war Teil des Soundtracks zu „Bad Boys“ und passte perfekt zu einer 90er-Popwelt, in der Genregrenzen eher Empfehlungen als Gesetze waren. Die deutsche Chartgeschichte zeigt, dass Diana King mit „Shy Guy“ 1995 bis auf Platz sechs kam. Das war kein Nischenmoment, das war Mainstream. UB40 wiederum machten 1990 aus „Kingston Town“ einen großen Radio-Moment.
90s90s REGGAE setzt genau bei dieser Bandbreite an. Im Moment, in dem Reggae in den 90ern globaler Pop wurde. Big Mountain, Chaka Demus, Pliers, Cocoa Tea, Dawn Penn, Diana King, Inner Circle, Peter André, Sanchez, Shabba Ranks, Shaggy und UB40 erzählen gemeinsam eine Geschichte, die breiter ist als ein einziges Genre-Etikett. 90s90s REGGAE ist die Sommer-Playlist Born in Jamaika. Gefeiert auf der ganzen Welt.
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