Thom Yorke: Die Wahrheit über „OK Computer“
Für Radiohead wurde „OK Computer“ zu einem ihrer wichtigsten Alben. Doch für Thom Yorke war die Zeit danach alles andere als einfach. Darüber spricht er mit Harry Styles.
Für Radiohead wurde „OK Computer“ zu einem ihrer wichtigsten Alben. Doch für Thom Yorke war die Zeit danach alles andere als einfach. Darüber spricht er mit Harry Styles.
Bei 90s90s Rock ist "Creep" natürlich fester Bestandteil – einer der größten Rockmomente der 90s. Dort laufen Radiohead neben all den Rocksongs, die das Jahrzehnt bis heute unvergesslich machen.
Am 22. Mai 1997 veröffentlichten Radiohead „OK Computer“ und starteten gleichzeitig ihre „Against Demons“-Welttournee. Mehr als 100 weltweite Konzerte standen auf dem Programm. Erst am 18. April 1998 endete die Tour in New York.
Was nach einem riesigen Karrierehöhepunkt klingt, entwickelte sich hinter den Kulissen zur Zerreißprobe. Statt sich musikalisch weiterzuentwickeln, musste Yorke Abend für Abend die gleichen Stücke präsentieren. Radiohead-Bassist Colin Greenwood bezeichnete diese Phase 2003 gegenüber dem Magazin Spin sogar als den schlimmsten Abschnitt der Bandgeschichte. Besonders der Zustand von Thom Yorke machte ihm Sorgen.
„Es gibt nichts Schlimmeres, als vor 20.000 Menschen spielen zu müssen, wenn jemand, wenn Thom, absolut nicht dort sein will“, erklärte Greenwood damals. Man habe ihm angesehen, wie sehr er unter der Situation litt.
Wie anstrengend diese Zeit tatsächlich war, zeigte auch die Dokumentation „Meeting People Is Easy“ von 1998. Regisseur Grant Gee begleitete die Band während ihrer Tour und hielt fest, wie Ruhm, Erwartungen und der permanente Konzertbetrieb an den Musikern zehrten.
Nach der Tour kämpfte Yorke mit einer Schreibblockade. Der große Erfolg von „OK Computer“ hatte ihn zunehmend unter Druck gesetzt. Im Gespräch mit Harry Styles erklärt er: „Etwas Neues zu machen, ist kein Luxus. Es ist absolut notwendig.“
Yorke habe sich schlecht gefühlt. „Ich hatte seit der ganzen Sache mit „OK Computer“ das Gefühl, verloren zu sein“, erzählt er. In einem fast leeren Haus, in dem lediglich ein Flügel und eine Matratze standen, begann er, immer wieder dieselbe Klavierfigur zu spielen. Für ihn sei das damals wie ein Mantra gewesen, mit dem er sich selbst wieder aufbauen konnte.
Für Yorke bedeutet Musik machen auch, sich immer wieder von früheren Arbeiten zu lösen. Aus dieser schwierigen Phase entwickelte sich schließlich ein musikalischer Neuanfang. Mit „Kid A“ schlugen Radiohead im Jahr 2000 eine elektronischere Richtung ein und entfernten sich vom klassischen Gitarrensound der 90s-Alben.
Auch abseits der Bühne war der Erfolg für Yorke nicht immer einfach. Schon 1995, als Radiohead mit R.E.M. auf Tour waren, zog er sich häufig zurück und verbrachte seine Zeit lieber allein in der Garderobe.
Das fiel R.E.M.-Frontmann Michael Stipe auf. Er überredete Thom Yorke, wieder mehr unter Menschen zu gehen, und gab ihm einen Rat, an den er sich bis heute erinnert: „Wenn es dir egal ist, ist es den anderen auch egal. Wenn du nicht hinschaust, schauen sie auch nicht hin“, habe Stipe damals zu ihm gesagt, erzählt Yorke im Rolling Stone-Gespräch mit Harry Styles.
Bei einem gemeinsamen Clubbesuch in Stockholm probierte er genau das aus und stellte fest, dass es tatsächlich funktionierte. Für Yorke wurde dann Spazierengehen auch zu einer wichtigen kreativen Methode. Bewegung, fremde Menschen beobachten und einfach das Studio verlassen. Das half ihm, Abstand zu seinen eigenen Gedanken zu gewinnen.
Harry Styles sprach Thom Yorke im Gespräch dann auch auf den Song „High and Dry“ vom Radiohead-Album „The Bends“ an. Und ausgerechnet auf diesen 90s-Hit hätte Thom Yorke eigentlich gerne verzichtet.
„Bei diesem Song wünschte ich, ich hätte ihn nicht gemacht.“ Dabei verzieht er sogar schmerzhaft das Gesicht. Eine genauere Begründung liefert Yorke nicht. Er erzählt allerdings, dass er nur wenig klassische Singer-Songwriter-Musik hört und Musik mit Akustikgitarre ihn nur selten wirklich anspricht.