Teenage Fanclub (2017)
  IMAGO / Gonzales Photo
Teenage Fanclub (2017)
19.10.2026

Teenage Fanclub: Neues Album und live in Deutschland

Teenage Fanclub kommen ab Montag nach Köln, München, Berlin und Hamburg. Im Gepäck haben die Schotten ein neues Album.

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Wann spielen Teenage Fanclub 2026 in Deutschland?

Vier Abende, vier Städte, keine Gelegenheit zum Ausschlafen: Nächste Woche ist Teenage Fanclub-Woche in Deutschland. Norman Blake und seine Kollegen beginnen am Montag in Köln, ziehen weiter nach München und Berlin und landen am Donnerstag in Hamburg. Wer also schon länger darauf gewartet hat, „The Concept“, „Star Sign“ oder „Sparky’s Dream“ wieder in einem Club zu hören, bekommt gleich vier Chancen. Nur eines sollte niemand erwarten: dass Norman Blake daraus eine große 90er-Gedenkveranstaltung macht. Norman Blake und Teenage Fanclub spielen am Montag, 26. Oktober, im Gebäude 9 in Köln, am Dienstag, 27. Oktober, im Strom in München, am Mittwoch, 28. Oktober, im Frannz Club in Berlin und am Donnerstag, 29. Oktober, im Knust in Hamburg. Die Tour führt Norman Blake, Raymond McGinley, Francis Macdonald, David McGowan und Euros Childs anschließend weiter durch die Niederlande, Großbritannien und Irland. Es ist eine ziemlich umfangreiche Runde für eine Band, deren erstes Konzert tatsächlich 37 Jahre zurückliegt. Norman Blake selbst scheint diese Zahl allerdings weniger zu beeindrucken als Außenstehende. „Das ist einfach mein Leben, unser Leben, das ist, was wir tun“, sagte Norman Blake über das jahrzehntelange Touren.

Und diesmal haben Raymond McGinley und Norman Blake für diese Haltung ein ziemlich gutes Argument.

„Do Not Dare To Dream“, das 13. Studioalbum von Teenage Fanclub, ist am 9. Oktober erschienen. Wenn die Band in Köln die deutsche Tourwoche eröffnet, ist die Platte gerade einmal gut zwei Wochen alt. Der klassische Mechanismus „Wir spielen ein paar neue Songs und dann endlich die Sachen, auf die alle warten“ dürfte damit zumindest theoretisch etwas komplizierter werden. Das neue Material ist bei Teenage Fanclub nicht der Vorwand für die Tour. Es ist ein wesentlicher Grund dafür.

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Ein Album, das jetzt seinen Live-Test bekommt

„Do Not Dare To Dream“ ist vertraut und leicht verschoben. Die Grundzutaten von Teenage Fanclub erkennt man sofort: melodische Gitarren, mehrstimmiger Gesang. Produziert wurde die Platte von der Band selbst. Die gemeinsamen Aufnahmen entstanden im Black Bay Studio auf Great Bernera, einer abgelegenen Insel der Äußeren Hebriden; weitere Gesänge und Ergänzungen nahmen Norman Blake und seine Kollegen später in Glasgow auf.

Teenage Fanclub - There Was You (Official Music Video)
Teenage Fanclub - There Was You (Official Music Video)

Wie heißen die Singles?

Auch die beiden vorab veröffentlichten Songs haben inzwischen schon etwas Abstand zum klassischen Single-Alarm. „Day In The Sun“ erschien bereits im Juli, „There Was You“ folgte im August. Letzterer eröffnet jetzt auch das Album. Das Video zu „There Was You“ drehte Donald Milne, der schon häufiger mit Teenage Fanclub gearbeitet hat. Wer die beiden Stücke also in den vergangenen Wochen über YouTube oder die üblichen Streamingplattformen gehört hat, bekommt kommende Woche erstmals die Gelegenheit, zu erleben, wie sie neben drei Jahrzehnten Bandgeschichte auf einer deutschen Bühne funktionieren.

Teenage Fanclub (2000)
  IMAGO / Avalon.red
Teenage Fanclub (2000)

Was hat sich bei Teenage Fanclub verändert?

Wer Teenage Fanclub vor allem aus den 90ern kennt, erinnert sich an eine ungewöhnliche Konstruktion. Norman Blake, Raymond McGinley und Gerard Love waren nicht nur Musiker derselben Band, sondern drei Songwriter mit eigenen Stimmen und unterschiedlichen Handschriften. Statt eines eindeutigen Frontmanns gab es mehrere Zentren. Genau das prägte die 90er-Alben wie „Bandwagonesque“, „Grand Prix“ und „Songs From Northern Britain“ – und machte Teenage Fanclub zu einer Band, bei der sich ein Album fast wie eine Unterhaltung zwischen verschiedenen Autoren anfühlen konnte.

Diese Konstruktion endete 2018, als Gerard Love die Band verließ. Hinter dem Abschied steckte keine öffentlich ausgetragene Fehde. Entscheidend waren unterschiedliche Vorstellungen davon, wie intensiv Teenage Fanclub künftig touren sollten. Für Norman Blake und Raymond McGinley bedeutete der Ausstieg trotzdem eine massive Veränderung, denn Gerard Love hatte einen beträchtlichen Teil des Repertoires geschrieben und gesungen. Zu seinen Songs gehört mit „Sparky’s Dream“ einer der bekanntesten Titel der Band. David McGowan, der schon lange im Umfeld von Teenage Fanclub spielte, übernahm schließlich den Bass, während Euros Childs von Gorky’s Zygotic Mynci als Keyboarder und Sänger hinzukam. Gemeinsam mit Schlagzeuger Francis Macdonald entwickelte sich daraus die heutige Besetzung.

Auf „Do Not Dare To Dream“ teilen Norman Blake und Raymond McGinley das Songwriting praktisch untereinander auf: Fünf Stücke stammen von Norman Blake, fünf von Raymond McGinley.

Heute schon für den 90s90s Countdown abgestimmt?

Teenage Fanclub - The Concept
Teenage Fanclub - The Concept

„Bandwagonesque“ bleibt Teil der Geschichte

Natürlich werden Norman Blake und Raymond McGinley ihre Vergangenheit nicht los – und warum sollten sie? „Bandwagonesque“ erschien 1991 in einem Jahr, in dem Alternative Rock seine Koordinaten dramatisch verschob. Nirvana veröffentlichten „Nevermind“, My Bloody Valentine brachten „Loveless“ heraus, R.E.M. waren mit „Out Of Time“ längst weit über den College-Rock hinausgewachsen. Mittendrin standen Teenage Fanclub aus Glasgow mit verzerrten Gitarren und Harmonien, die eher nach klassischem Gitarrenpop klangen als nach einem sauber definierten Trend. Dass „Bandwagonesque“ damals vom US-Magazin SPIN sogar zum Album des Jahres gewählt wurde und damit vor „Nevermind“ landete, gehört inzwischen zu den Lieblingsanekdoten rund um Teenage Fanclub. Für die tatsächliche Karriere der Band war sie weniger magisch. Aus enormer Aufmerksamkeit entstand keine Stadionkarriere, und Teenage Fanclub blieben langfristig eine große Indieband statt eines globalen Mainstream-Acts. Selbst die prominente Unterstützung aus Seattle änderte daran wenig. Kurt Cobain äußerte öffentlich seine Begeisterung für Teenage Fanclub, und die beiden Bands begegneten sich in jener Phase auch auf Tour.

Warum wurden Teenage Fanclub nie riesig?

Diese Frage ist gerade deshalb interessant, weil Norman Blake selbst wenig Anzeichen dafür zeigt, sich darüber zu ärgern. Teenage Fanclub hatten Anfang der Neunziger Aufmerksamkeit in Großbritannien und den USA, traten im amerikanischen Fernsehen auf und befanden sich zeitweise mitten in jenem Alternative-Rock-Moment, der andere Bands in eine völlig neue wirtschaftliche Dimension katapultierte. Trotzdem blieben Norman Blake und seine Kollegen eher Musiker mit treuem internationalem Publikum als klassische Rockstars. Vielleicht war genau das langfristig ein Vorteil. Teenage Fanclub mussten nie jahrzehntelang die Erwartung bedienen, jedes Konzert wie ein Stadionereignis zu inszenieren. Und Teenage Fanclub müssen 2026 keine Arenen füllen, um eine funktionierende internationale Karriere vorweisen zu können. Gebäude 9, Strom, Frannz Club und Knust sind keine Notlösung für eine geschrumpfte Stadionband. Sie entsprechen ziemlich genau der Größe, in der Teenage Fanclub seit Jahren funktionieren. Die Tour 2026 hätte sich problemlos als Jubiläum verkaufen lassen. 37 Jahre sind zwar keine besonders elegante Zahl, aber die Musikbranche hat schon aus dünnerem Material Sondereditionen gebaut. Raymond McGinley reagierte auf die Frage nach einem Jubiläum entsprechend trocken und sprach sinngemäß vom „Jubiläum von allem und dem Jubiläum von nichts“.

Teenage Fanclub - Day In The Sun (Official Music Video)

Teenage Fanclub - Day In The Sun (Official Music Video)
Teenage Fanclub - Day In The Sun (Official Music Video)